Usbekistan
... Land der Seidenstraße
Die Wirtschaft Usbekistans ist breit strukturiert: Ihr hohes Niveau verdeutlichen Branchen wie der Flugzeug- und Fahrzeugbau, Landwirtschaftsmaschinen, Haushaltselektronik und Weltraumtechnik. Etwa 40% der Erwerbstätigen arbeiten heute in der Landwirtschaft. Wichtigstes Anbauprodukt ist Baumwolle, sodaß Usbekistan mit 4 Mio. Tonnen der fünftgrößte Baumwollproduzent der Welt ist. In der Herstellung von Rohseide (10.000 t) steht Usbekistan in der Welt an vierter Stelle. Außerdem werden Weizen, Reis, Gambohanf, Jute sowie Obst angebaut.
Transoxanien – „Land jenseits des Oxus“ – hieß vorzeiten die unwirtliche Wüstenregion zwischen Amudarja und Syrdarja. Sie war die große Bühne für die Mächtigen der Welt, die aus allen Himmelsrichtungen in das Herzland Mittelasiens einfielen. Persiens König Kyros zählte dazu und der Makedonier Alexander der Große. Hunnenfürsten und chinesische Herrscher zogen hindurch, gefolgt von den Reiterheeren der Araber, mit denen der Islam ins Land kam und die Entwicklung dieser Weltgegend prägte. Dschingis Khan, der Mongolendespot, trat hier auf und sein Urenkel Timur, den man in Europa den „Schrecklichen“ nannte, fand Gefallen an den Flussoasen und blieb. Später griffen die russischen Zaren nach dem Landstrich. Die Sowjetmacht schließlich war das letzte Glied in einer Kette von Fremdherrschaften, die bei aller despotischen Neigung zumeist noch genug Raum ließen für die Begegnung der Weltreligionen, für kulturellen und wissenschaftlichen Austausch. Es war die „Seidenstraße“, die dem Strom der Ideen die Richtung wies – jene legendäre, die Küsten der Levante mit dem fernöstlichen China verbindende transkontinentale Handelsroute. Andere bedeutende Handelswege wie die von Bagdad über Teheran heranführende „Goldene Straße“ kreuzten hier die Ost-West-Magistrale. Taschkent, Buchara, Samarkand, Chiwa, die berühmten Oasenstädte, waren die kostbaren Perlen in diesem Straßengeflecht, die den Karawanen Rast boten, ihnen gute Geschäfte versprachen und die Strapazen des Reisens in märchenhafter Umgebung vergessen ließen. Doch neue Seewege nach Fernost lenkten die Warenströme um – die Quellen des Reichtums versiegten. Mittelasiens große Zeit war Vergangenheit. Wem es nach dem „reinen Orient“ verlangt, der sollte einen Inlandsflug von der Metropole nach Urgentsch im Westen nahe der Grenze zu Turkmenistan unternehmen und dann noch 50 km in die Karakum-Wüste hineinfahren nach Chiwa. Die Oasenstadt war einst für Karawanen letzter Rastplatz vor der Durchquerung der Wüste nach Persien. Bei diesem Ansturm verheißungsvoller Düfte, intensiver Farben, fremdartiger Architekturen aus Lehm und sonnengebrannten Ziegeln, prächtiger Majolika-Dekors in Türkis und Blau werden romantische Träume vom Orient wahr.
Buchara oder Samarkand – welcher der prächtigen Städte gebührt die Krone? Ein alter, unergiebiger Streit. Buchara wurde nie von Eroberern zerstört, seine Altstadt ist wohlerhalten, an die 140 Baudenkmäler machen „die Edle“, wie sie seit alten Zeiten genannt wird, zu einem gigantischen Freilichtmuseum. Samarkand dagegen erlitt ein Auf und Ab an Zerstörungen und Wiederaufbau bis Timur, der von der Weltherrschaft träumende Mongolenfürst, die Stadt zu seiner Residenz erhob und ein kurzlebiges Großreich errichtete. Am Registan-Platz, dem wohl schönsten aller orientalischen Plätze, verdichten sich Machtstreben und künstlerische Ausgestaltung in unvergleichlicher Weise. Drei fayencegeschmückte Medresen formieren sich hier zu einem atemberaubenden Ensemble. Nicht minder beeindruckend die ornamentübersäte, ruinenhafte Bibi-Chanym-Moschee, die als größtes Gebetshaus der muslimischen Welt geplant war, aber den Erdbeben nicht widerstand. Oder das palastartige Mausoleum Gur-Emir, wo Timur und seine Söhne sowie sein Enkel Ulug Beg, der ein milder Herrscher und zugleich berühmter Astronom war, begraben sind. Samarkands Meisterwerke, überragende Beispiele kultureller Kreativität, waren richtungweisend für die Entwicklung der islamischen Architektur zwischen Mittelmeer und indischem Subkontinent. Und nun Buchara in der Oase des Goldflusses (Serafschan) mit einer der am besten erhaltenen Altstädte der islamischen Welt, die alles bereit hält, wonach „Orientsüchtige“ verlangen: winklige Gassen, lauschige Innenhöfe, die Karawanserei und einen malerischen Basar, in dem traditionell gekleidete Händler und Bauern ihre Waren anbieten. Dazu gesellen sich unzählige architektonische Kostbarkeiten wie das berühmte Ismail-Samani-Mausoleum, ältestes islamisches Bauwerk Mittelasiens (10. Jahrh.). Es erinnert an die Herrschaft der iranischen Samaniden-Dynastie, die hier den ersten islamischen Staat gründete oder die Kaljan-Moschee und ihr 45 m hohes Minarett, das Wahrzeichen Bucharas, aus dem 12. Jahrh., die ehrwürdige Medrese Mir-i-Arab (16. Jahrh.) oder die Abdul-Aziz-Medrese mit Ornamentierungen, wie man sie nirgendwo sonst in Mittelasien kennt.
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